Prof. Hussein Almohamad: “Wir können auf den Frieden in Syrien nicht warten”

Prof. Hussein Almohamad, Universität Giessen, stammt aus Syrien

 “Wir können auf den Frieden in Syrien nicht warten”

Prof. Hussein Almohamad kam 2013 aus Syrien nach Deutschland. Sein Traum ist ein wiederaufgebautes Aleppo. 

Es ist das Aleppo, das vor allem im Ostteil seit Jahren von Rebellen und Regierungstruppen zu Schutt gebombt wird. Hier scheint ein großer Teil bis auf die Grundmauern zerstört zu sein, verschwunden scheinen die Menschen zu sein und die Hoffnung. Dort wo Krankenhäuser angegriffen werden und die Ärzte mit den wenigen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Kriegsopfer wieder zusammenflicken. Das historische Zentrum der Stadt gibt es nicht mehr.

Pläne für den Wiederaufbau

Aber Hussein Almohamad, Gastprofessor für Anthropogeographie und Geographische Entwickungsforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen, schaut darüber hinaus, er will vorbereitet sein. Denn irgendwann wird wieder Frieden sein und dann bedarf es Pläne, wie die Stadt aussehen soll. Und es bedarf eines Netzwerks an Menschen mit Kompetenzen, die sich für den Wiederaufbau einsetzen.
Dabei ist Prof. Almohamad keinesfalls ein universitärer Akademiker aus Deutschland, Almohamad stammt aus Syrien, er hat den Krieg erlebt und überlebt.
2004 bis 2009 hat er bereits an der Universität Gießen studiert und promoviert. Er ging dann zwar nach Aleppo zurück, musste aber 2013 vor dem Krieg dort fliehen. Heute erhält er an der Universität Gießen ein Philipp-Schwartz-Stipendium für bedrohte Forscher.

Prof. Almohamad wohnt in einem Vorort Gießens, dort wo die Bürgersteige gefegt sind, Lebensbäume in gepflegten Gärten gedeihen, in denen die Bewohner Zeit haben, wöchentlich Rasen zu mähen. Zwischen den Mauern wird das friedliche, ästhetisch einheitliche Zusammenleben demonstriert. Es mag kaum größere Kontraste geben zwischen dem Syrien, wie es Prof. Almohamad erlebt hat, und der Lebenswelt, in die er in Deutschland getaucht ist. Zur Zeit will er nicht wieder zurückreisen, er zieht es vor von aus Deutschland seine Heimat zu unterstützen. Sein Blick ist fokussiert auf die Zeit des syrischen Friedens, die politischen Rahmenbedingungen sind ihm dabei nicht im Vordergrund.

Die Zeit nach dem Krieg

Pläne für die zukünftige Stadt Aleppo müssen die Klimabedingungen ebenso berücksichtigen, wie die lokale Verteilung religiöser Gruppen und die Trinkwasserversorgung, sie müssen Plätze umfassen, auf denen die Menschen zusammenkommen können. Denn es werden viele Invaliden dort wohnen, sie und Unversehrte werden unter Traumata leiden. Auf Grünflächen sollen die Bürger Aleppo sich treffen können, „weil das der syrischen Tradition entspricht“, betont Prof. Almohamad. Er hofft, dass so mit der Zeit Normalität Einzug halten kann.

Hilfe von Deutschland aus

Wann es jedoch Frieden gibt, steht in den Sternen. Und bis dahin versucht er, seinen Landsleuten von Deutschland aus zu helfen. Unter anderem plant Prof. Almohamad einen Verein zum Aufbau einer Schule für Waisen und Halbwaisen zu gründen, denn „wir können nicht warten bis wieder Frieden ist“.

Weiterführende Links:

Associate Prof. Dr. Hussein Almohamad, Justus-Liebig-Universität, Gießen

Aleppo: Ideen vom Wiederaufbau (arte, 22.6.2017)

Aleppos Hoffnung”(FAZ, 17.3.2017)

“Wenn es so weit ist” (Zeit, 24.11.2016)

“Philipp Schwartz-Stipendium für Prof. Hussein Almohamad” (Justus-Liebig-Universität, Gießen, 1.6.2016)

“Zuflucht bieten” (Deutschland.de 28.12.2015)

“Prof. Hussein Almohamad entkam mit Familie dem Bürgerkrieg” (Gießener Anzeiger 11.7.2015) 

Die Philipp Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung

Für Prof. Hussein Almohamad erinnern Getreidefelder an seine landwirtschaftlich so reiche, syrische Heimat. Heute wohnt er in einem Vorort Gießens, in dem es friedvoll ist, aufgeräumt, geharkt, gemäht.

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